Volkstrauertag

Veröffentlicht am: 15.11.2021
Volkstrauertag_Copyright Neuenrader Schützengesellschaft eV

Volkstrauertag am Sonntag, 14.11.2021 am Friedensstein

Rede des Bürgermeisters Antonius Wiesemann

Liebe Bürgerinnen und Bürger,

es ist schön, dass wir uns heute hier in Freiheit und, ich hoffe, alle gesund treffen können.

Wie wir in den letzten Wochen und Monaten festgestellt haben, ist beides keine Selbstverständlichkeit. Es ist nicht selbstverständlich, gesund zu sein und es ist nicht selbstverständlich in Freiheit und ohne kriegerische Hintergründe, Sorgen, Nöte und Ängste hier zu stehen.

Die Corona-Pandemie hat es uns gezeigt, wie schnell unsere Normalität im täglichen Leben aus dem Lot gerät. Monatelang schränken wir uns in vielen Dingen ein, versuchen im Täglichen das Beste aus allem zu machen

und trotzdem treffen wir uns heute hier draußen, weil es in den Räumlichkeiten schon wieder zu problematisch ist. Die steigenden Zahlen in den letzten Tagen machen mir Sorgen für die nächsten Monate, für den Winter, der vor uns steht.

Und doch wollen wir nach vorne schauen und nicht auf das zurückblicken, was uns in den letzten Monaten belastet und eingeschränkt hat.

Zurückblicken möchte ich aber doch auf die vielen Opfer und Toten, auf die Vernichtung und die Versklavung ganzer Völker. Der Tod und das Elend von vielen, vielen Millionen Menschen in dem ersten und zweiten Weltkrieg.

Allen Opfern von Krieg- und Gewaltherrschaft zu gedenken, ist keine Floskel.

Wir können das Geschehen nicht rückgängig machen und wir können es auch nicht ignorieren, relativieren oder umdeuten. Der einzige Weg, der uns bleibt, ist dafür einzutreten, dass sich Krieg und Diktatur nicht wiederholen können.
Wir müssen uns mit aller Kraft im Inneren für Demokratie und Toleranz und im Äußeren für Verständigung und Versöhnung engagieren.

Wir müssen dieses Ziel an die Jugend weitergeben, damit auch die Jugend weiß, dass Frieden keine Selbstverständlichkeit ist und dass man jeden Tag daran arbeiten muss, dieses wichtige Gut für uns alle zu bewahren.
Das wird in Neuenrade seit vielen Jahren gelebt mit den Jugendlichen, die jährlich nach Ysselsteyn fahren und dort den Soldatenfriedhof pflegen und sich mit einzelnen fürchterlichen Schicksalen beschäftigen.

Diese jungen Menschen, diese Leuchttürme, sind der Bestandteil der Jugendarbeit und auch für das Verständnis des Friedens in unserem Land.
Danke an die Macher Sabine Protzer und Freddy Sip.

Aber auch die jungen Leute der Hönnequellschule arbeiten seit vielen Jahren an einem Projekt „Nationalsozialismus“ und setzten sich mit dieser für alle fürchterlichen Vergangenheit auseinander. Auch diese Menschen sind Leuchttürme, welche, die für alle schreckliche Vergangenheit nach außen tragen, aber auch erzählen, zu welchen Dingen Menschen fähig sind.
Denen allen möchte ich herzlich danken, dass sie sich mit dieser Zeit beschäftigen und dafür sorgen, dass weiterhin Frieden möglich ist. Frau Päckert ist heute Morgen in Vertretung hier – Gruß an die Kollegen und Schüler.
Wir alle haben eine Verantwortung zum Gedenken beizutragen.

Wo wir aber auch drauf achten sollten, sind die Dinge im jetzigen, heutigen täglichen Leben miteinander und der Umgang untereinander.

Die Gesellschaft entwickelt sich immer mehr in eine egoistische Richtung und die Wörter „Respekt“, „Ehre“ und „Anstand“ verlieren immer mehr ihre Bedeutung.
Auch der Umgang mit den neuen Medien spielt hier sicherlich eine große Rolle und wir lassen uns oft treiben, von Dingen, die wir nicht mehr unter Kontrolle haben.
Wir werden in der heutigen Zeit oft fremdgesteuert und die Räder im täglichen Leben drehen sich immer schneller.

Viele Menschen leiden darunter und fühlen sich einem medialen Druck immer mehr ausgesetzt. Auch das ist eine Art, den Menschen Leid zuzufügen und endet oft für viele Menschen sehr grausam.

Wir sollten es nicht vergessen, ein Miteinander zu führen, das uns untereinander stützt. Wir müssen respektvoll mit unseren Mitmenschen umgehen, ein offenes Ohr haben und Gespräche führen, damit Konflikte nicht entstehen oder zumindest früh genug ausgeräumt werden können.
Das alles sind die Herausforderungen der jetzigen Zeit und ebenso wichtig, wie die Gedenken an das Schlimme, was einmal gewesen ist.

Auch das hat etwas damit zu tun, gegen Terrorismus, Extremismus, Antisemitismus und Rassismus in unserem Land früh entgegen zu stehen.

Liebe Bürgerinnen und Bürger, ich will es aber auch heute hier nicht versäumen, die Reservistenkameradschaft zu begrüßen, die es als selbstverständlich ansehen, hier an dieser Trauer- und Gedenkfeier der Opfer der Gewalt, der Kriege beizuwohnen.

Meine lieben Bürgerinnen und Bürger, ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.